Deutschland hat im Jahr 2025 einen bemerkenswerten Meilenstein in seiner Energieversorgung erreicht. Trotz der geografischen Lage in eher sonnenarmen Breitengraden produzierte die Bundesrepublik 18 Prozent ihres Stroms aus Sonnenenergie – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 14 Prozent des Vorjahres. Damit hat die Photovoltaik sowohl die Braunkohle (14 Prozent) als auch Erdgas (16 Prozent) im deutschen Strommix überholt. Diese Entwicklung markiert einen historischen Wendepunkt, da Solarstrom nun zur zweitwichtigsten Energiequelle des Landes aufgerückt ist, nur noch übertroffen von der Windkraft, die mit einem Anteil von 27 Prozent weiterhin die Spitze verteidigt.
Historische Verschiebung im Strommix
Die Zahlen des Bundesverbandes Solarwirtschaft belegen, dass die Solaranlagen im vergangenen Jahr 87 Terawattstunden Strom lieferten, verglichen mit 72 Terawattstunden in 2024. Diese Verschiebung ist nicht nur ein statistischer Erfolg, sondern das Resultat einer langfristigen Strategie, die oft aus der Not geboren wurde. Nach der Katastrophe von Fukushima beschloss Deutschland den Atomausstieg, was international zunächst Skepsis hervorrief. Kritiker warnten vor einer „schmutzigeren“ Stromversorgung durch ein mögliches Comeback fossiler Brennstoffe.
Tatsächlich musste die wegfallende Kernkraft kompensiert werden. Doch anstatt dauerhaft in die fossile Vergangenheit zurückzufallen, wurde massiv in Erneuerbare investiert. Hinzu kam der geopolitische Schock des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Jahr 2022. Die daraus resultierende Notwendigkeit, sich von russischem Gas zu lösen und die explodierenden Energiepreise abzufedern, wirkte wie ein Katalysator für den Ausbau heimischer Energiequellen. Das Ergebnis sehen wir heute: Die Lücke, die die Atomkraft hinterließ, wurde größtenteils durch Wind und Sonne gefüllt.
Bayern dominiert den Solarausbau, der Wind weht aus NRW
Grundlage für die hohen Produktionszahlen ist der kontinuierliche Ausbau der Infrastruktur. Die Bundesnetzagentur meldete am Donnerstag, dass die installierte Kapazität an erneuerbaren Energien im Jahr 2025 um elf Prozent auf rund 210 Gigawatt gestiegen ist. Auch wenn das Wachstumstempo damit leicht unter den zwölf Prozent der beiden Vorjahre lag, bleibt die Dynamik beeindruckend.
Den Löwenanteil der installierten Leistung macht mit 117 Gigawatt mittlerweile die Solarenergie aus. Allein im vergangenen Jahr wurden Anlagen mit einer Leistung von 16,4 Gigawatt neu installiert. Besonders der Süden prescht hier voran: Bayern führte den Ausbau mit 4,5 Gigawatt an. Doch die Energiewende findet längst nicht mehr nur auf Freiflächen oder großen Industriedächern statt. Sogenannte Balkonkraftwerke haben sich als fester Bestandteil der dezentralen Versorgung etabliert. Der Anteil dieser Mini-Solaranlagen am Zubau stieg von 2,5 Prozent im Vorjahr auf nunmehr 3,2 Prozent.
Während der Solarzubau das hohe Niveau des Vorjahres knapp verfehlte, erlebte die Onshore-Windkraft eine Renaissance. Mit 4,6 Gigawatt an neu installierter Leistung lag der Zubau deutlich über den 2,6 Gigawatt des Vorjahres. Hier zeigte sich Nordrhein-Westfalen als treibende Kraft mit einem Plus von 1,3 Gigawatt. Insgesamt verfügt Deutschland nun über eine Onshore-Windkapazität von 68,1 Gigawatt.
Herausforderungen trotz positiver Bilanz
Trotz dieser Erfolgsmeldungen bleibt die Gesamtsituation herausfordernd. Der Anteil aller erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung stagnierte zwischen 2024 und 2025 bei rund 56 Prozent. Dies zeigt, dass der bloße Zubau von Kapazitäten nicht linear in gleichem Maße den Anteil am Strommix erhöht, da auch Wetterbedingungen und der Gesamtverbrauch eine Rolle spielen. Zudem bleiben andere Sektoren Sorgenkinder: Der Ausbau der Offshore-Windkraft verläuft weiterhin schleppend, und die Kapazitäten aus Biomasse stagnieren weitgehend.
Auch die ambitionierten Regierungsziele werfen lange Schatten voraus. Um das Ziel von 115 Gigawatt Windkraft an Land bis 2030 zu erreichen, müsste sich das Ausbautempo des vergangenen Jahres in den kommenden Jahren nahezu verdoppeln. Der Solarverband mahnt ebenfalls zur Eile: Trotz des Siegeszuges der Photovoltaik über Kohle und Gas müsse das Tempo weiter angezogen werden, um die rechtsverbindlichen Dekarbonisierungsziele bis 2030 nicht zu verfehlen. Deutschland hat bewiesen, dass es trotz weniger Sonnenstunden als in den USA oder Südeuropa und dank gesunkener Installationskosten Solarweltmeister sein kann – nun muss bewiesen werden, dass dieser Trend auch nachhaltig genug ist, um die fossilen Träger endgültig ins Abseits zu drängen.