Für eine Lektion in Modehistorie reisen wir diesen Monat nach Antwerpen, für Marina Abramović und queere Kunst nach Berlin, und in Tübingen werfen wir einen neuen Blick auf einen alten Bekannten.

7 neue Ausstellungen im April, die wir jetzt besuchen

Homosexualität blieb in der DDR trotz schrittweiser Entkriminalisierung stigmatisiert. Die Ausstellung “Queere Kunst in der DDR? Biografien zwischen Underground und Propaganda” und ein umfassendes Vermittlungsprogramm beleuchten vom 28.3. bis 28.6. an verschiedenen Berliner Ausstellungsorten die Werke (darunter Gemälde, Skulpturen, Keramiken und Fotografien) und Biografien von neun queeren Künstler:innen der DDR, etwa Toni Ebel, Rita Thomas oder Egon Wrobel. Sie zeigt auch, wie unterschiedlich diese mit den politischen und gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Zeit umgingen.

In Kooperation mit der Kunsthalle Rostock wird im Neuen Museum Nürnberg erstmals im Westen der Republik das Werk des Grafikers und Künstlers Hans Ticha (geboren 1940) in einer Retrospektive vorgestellt. Ticha war in der DDR vor allem als Buchillustrator tätig gewesen, schuf im Verborgenen aber auch staatskritische, farbenfrohe, moderne Ölmalereien, in denen er die Gesten und Rituale des Arbeiterstaats ironisch verarbeitete. Auch nach der Wende blieb Ticha in seinen Gemälden seiner kritischen Sicht der Dinge treu. “Ticha” läuft noch bis 14.6.

Die Performances von Marina Abramović sind legendär; nicht selten spielt der Körper als Ort politischen Widerstands darin eine zentrale Rolle. So auch in “Balkan Erotic Epic”: Im Gropius Bau erforscht die Künstlerin, ausgehend von der Folklore des Balkans – der Region, in der sie aufwuchs – Erotik als Brücke zwischen Leben und Tod, die Mensch und Kosmos miteinander verbindet. Der erotische Körper wird zum Träger spiritueller, politischer und ökologischer Bedeutung. Auf die Ausstellung folgt im Oktober eine mehrstündige Bühnenproduktion im Haus der Berliner Festspiele. 15.4. bis 23.8.

“Neue Frau, neues Sehen”, Museum for Fotografie, Berlin

“Neue Frau, neues Sehen” heißt eine kommende Sonderausstellung des Bauhaus-Archivs, die sich den Fotografinnen des Bauhauses widmet. Gertrud Arndt, Marianne Brandt, Etel Mittag ­Fodor, Lucia Moholy und Co. loteten die Grenzen ihres Mediums aus, hielten ihre Umgebung in zum Teil neuen und ungewohnten Perspektiven fest – zwischen Sachlichkeit, Selbstinszenierung und Reduktion. Ihre Porträt-­, Architektur-­ und abstrakten experimentellen Fotografien sind vielen
bekannt, ihre Urheberinnen jedoch nur wenigen. Vom 17.4. bis 4.10. im Berliner Museum für Fotografie.

Ann Demeulemeester, Dirk Van Saene, Marina Yee, Dries Van Noten, Walter Van Beirendonck und Dirk Bikkembergs (oben, von links) – dass belgisches Fashiondesign zu einem gehypten Siegel unter Modeintellektuellen wurde, liegt auch an ihnen. Die “Antwerp Six” studierten alle gleichzeitig an der Antwerpener Königlichen Akademie der Schönen Künste; 1986 fuhren sie mit einem Laster zur Londoner Fashion Week und zeigten dort auf einem gemeinsamen Messestand ihre avantgardistischen Entwürfe. Das MoMu Antwerpen feiert vom noch bis 17.1.27 mit einer Ausstellung den 40. Jahrestag dieses internationalen Durchbruchs, in der die gemeinsamen Anfänge, die ästhetischen Visionen und der nachhaltige Einfluss ihrer Kollektionen auf die globale Modewelt zu sehen sind.

“Kunst Hand Werk Brücke”, Brücke-Museum, Berlin

Die expressionistischen Gemälde der Brücke-Künstler sind weltbekannt, doch Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Co. entwarfen durchaus auch Objekte des täglichen Gebrauchs wie Teppiche, Stühle oder sogar Schmuck. Mit “Kunst Hand Werk Brücke” widmet sich das Brücke-Museum in Berlin diesem bislang wenig beachteten Aspekt. Die Ausstellung nähert sich dem Thema und den teils noch nie ausgestellten Stücken über die verwendeten Materialien – Holz, Metall und Textil – und hat dafür eng mit zeitgenössischen
Kunsthandwerker:innen zusammengearbeitet und deren Erkenntnisse aufbereitet. Bis 21.6.

Alex Katz, “Dancing With Reality”, Kunsthalle Tübingen

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Der US-amerikanische Maler Alex Katz, eigentlich berühmt für Pop-Art, modernen Realismus und seine plakativen Porträts des American Way of Life, wird diesen Sommer tatsächlich 99 Jahre alt. Doch statt Bilanz zu ziehen, möchte die Kunsthalle Tübingen eine neue Perspektive auf sein Werk eröffnen und richtet den Blick gezielt auf Katz’ Spätwerk, das großformatig und überraschend nah an der Abstraktion ist. Die Schau zeigt rund 40 Werke aus den 1990er-Jahren bis heute – darunter auch neue Arbeiten oder solche, die erstmals in Europa zu sehen sind. Sie zeigt, was Katz das “Jetzt” nennt: Malerei als Moment absoluter Bewusstheit, zwischen emotionaler Distanz und sinnlicher Präsenz, zwischen Realismus und Abstraktion. Zu sehen bis 13.9.

Neue Musik

“Musik ist Medizin”, sagt Raye und versteht ihre neuen Songs als Medizin für sich selbst, die sie mit der Welt teilen kann. Passenderweise heißt das zweite Album der britischen Sängerin “This Music May Contain Hope” (27.3.). Und von wem lassen wir uns lieber erzählen, dass alles gut wird, als von dieser sanften Soulstimme? Deren “Where Is My Husband!” war übrigens einer der Hits des Jahres 2025. Ebenfalls im Auge behalten: Nina Hagens neues Album “Highway to Heaven” erscheint am 27.3.; Arlo Parks‘ “Ambiguous Desire” am 3.4.