Seit vor Jahren die ersten Gerüchte über eine Fortsetzung von “Der Teufel trägt Prada” auftauchten, hatte ich Angst. “Sex and the City 2” hat mich für immer traumatisiert und generell haben wir zu viele zu gewollte Verlängerungen ikonischer Filme sehen müssen; wenn derartige Superstars wie bei “Der Teufel trägt Prada” involviert sind, macht das die Sache nicht einfacher.

Dann aber wurde irgendwann klar, dass tatsächlich ausnahmslos alle Stars aus dem Hauptcast des Films von 2006 für die Reunion wieder mit dabei sein würden, und ich wurde hoffnungsvoller: Wenn Meryl Streep, Stanley Tucci, Emily Blunt und Anne Hathaway sich verpflichten lassen, dann kann das Drehbuch nicht wirklich ganz schlecht sein

Viele Bilder hatten wir zuvor von den Dreharbeiten gesehen, viel wurde spekuliert, so richtig viel über den Plot war aber im Vorhinein nicht bekannt gewesen. Ich besuchte die Pressevorführung von “Der Teufel trägt Prada” am vergangenen Montagmorgen also mit gemischten Gefühlen: Ich erwartete, im besten Fall ein bisschen Spaß zu haben, mich aber sicherlich auch eine gute Portion fremdzuschämen. Und siehe da: Ich hatte eine wirklich gute Zeit! “Der Teufel trägt Prada” ist kurzweiliges, glossy Entertainment, das für viele Lacher sorgt und die Schwierigkeiten eines sich in einer permanenten Transformation befindenden Medienunternehmens fast schon erschreckend realistisch wiedergibt. Nach einer PR-Panne wird die mittlerweile ausgezeichnete Journalistin Andy Sachs (die gerade ihren Job verlor) bei “Runway” angeheuert, um das Modemagazin vor einem größeren Image-Schaden zu retten. Sie bleibt und wird nach einem schwer zu bekommenden Interview-Coup, den sie eintütet, zu Mirandas Verbündeter im Kampf gegen die Übernahme von “Runway” durch einen Tech-Milliardär, der Mirandas Dasein an der Spitze des Magazins beenden würde. Den Rest sollten Sie ab morgen selbst auf einer möglichst großen Leinwand mit möglichst gutem Sound im Kino sehen. Hier finden Sie zur Vor- oder Nachbereitung schon mal einige Gedanken – Spoiler mögen enthalten sein.

12 Gedanken, die ich bei der Preview von “Der Teufel trägt Prada 2” hatte

1. Emily Blunt ist eine Bank. Andy betitelt deren Filmfigur Emily Charlton in einer der Schlussszenen als “Icon” und auch wenn das eine sehr überstrapazierte Zuschreibung ist: Hier ist sie angebracht. Jedes verdrehte Auge sitzt, jede übertriebene Aufregung ebenso – man nimmt ihr die Rolle der für einen Platz im Rampenlicht der Mode über Leichen gehenden Emily eins zu eins ab.

2. Die Outfits von Simone Ashley sind die besten. Der derzeitige VOGUE-Germany-Coverstar spielt Mirandas aktuelle Assistentin, die gleichzeitig eine Art Presse- und Political-Correctness-Beauftragte für sie ist und ihre Office-meets-fashion-girl-Looks (oftmals Thom-Browne-angehaucht!) slayen.

3. Diese Liebesgeschichte ist komplett unnötig. Props an Andys Galeristinnen-Freundin fürs Verkuppeln, aber der Typ ist irgendwie ein blasser Waschlappen. Es hätte diese Sidestory generell nicht gebraucht, aber wenigstens hätte Andy sich nach der Pause einfach von ihm verabschieden sollen. Nicht jede erfolgreiche Frau über 30 muss einen Mann an ihrer Seite haben.

4. Nein, Redakteurinnen großer Modezeitschriften auf “Editor”-Level können sich von ihrem Gehalt keine Penthouses in Manhattan leisten. Dream on, Andy.

5. Die fünf Seiten über den neuen New Yorker Dior-Store aus Andys Feder würde ich gern mal lesen. Ebenso Andys wogenglättenden “Why we failed”-Text.

6. Als jemand, der praktisch denselben Jobtitel hat wie Andy Sachs im neuen Film bei “Runway” (sie wird dort als Features Editor angeheuert) möchte ich behaupten: Die gezeigten Herausforderungen im (nicht nur Print-)Journalismus und von Medienunternehmen sind erschreckend real. Der Kampf um Klickzahlen, der Druck von Anzeigenkunden, gelegentliche Übernahmegerüchte (zum Glück in den meisten Fällen unwahr), Stellenkürzungen (Andy und ihre Kolleg:innen werden in einer Anfangsszene von ihrem Arbeitgeber, der politischen Zeitung “Vanguard”, per SMS entlassen) – das dürfte niemandem fremd sein, der in den letzten Jahren schon mal in einer Redaktion gearbeitet hat. Was aber auch herausgearbeitet wird: Es macht einen Unterschied, ob hinter einem Magazin eine Seele, viel Leidenschaft und fachliches Know-how stecken oder nur ein Tech Bro. Guter Journalismus ist wichtig, sticht heraus und wird wertgeschätzt – und daran wird sich nichts ändern. Schöne Nebeninfo: Die Kostüme aus “Der Teufel trägt Prada 2” werden versteigert und die Erlöse kommen dem “Committee to Protect Journalists” zugute, einer in den USA ansässigen NGO, die sich weltweit für Pressefreiheit und die Menschenrechte von Journalist:innen einsetzt.

7. Über viele Sprüche und Anspielungen mögen viele Zuschauende schmunzeln können, die bissigsten sind allerdings denen vorbehalten, die sich in der Mode- und Verlagsbranche ein wenig auskennen. Wer weiß schon, dass der Miranda-Priestley-Vorlage Anna Wintour auch irgendwann der Titel Global Chief Content Officer (in diesem Fall beim VOGUE-Mutterhaus Condé Nast) verliehen wurde? Oder dass Coach ein US-amerikanisches Label ist, bei dem es für die Einstellung eher nicht nötig ist, fließend Französisch zu sprechen? Oder dass bei dem Fashion-Event in Mailand ein Kleid im Look von J. Los legendärem grünen Versace-Kleid über den Laufsteg lief? (Es hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag, für die, die das nachlesen möchten.)

8. Eine Miranda Priestly sollte nicht Economy fliegen, Punkt. Nungut, immerhin fürs Luxushotelzimmer in Mailand war ja dann offenbar wieder genug Geld da.

9. Andy Sachs‘ Figur ist unrealistisch. Ob jemand nach den Geschehnissen im ersten Film wirklich nach kürzester Bedenkzeit zurück an den Ort und Job seiner Demütigung zurückkehren würde? Dass sie, die ja angeblich nichts von Mode versteht, plötzlich Designeroutfits an Kolleg:innen erkennt und auch selbst welche trägt (immerhin liegen diese oftmals auf der geschmacklosen und damit zu ihr passenden Seite)? Unwahrscheinlich, aber wir sind hier immer noch in Hollywood.

10. Generell bedienen sich alle Hauptcharaktere stark an Stereotypen (die Eiskalte, der treu Folgende mit Herz, die mit dem ewigen Saviour-Komplex etc.), was aber genau ihren Auftritten in Teil 1 entspricht und durchaus etwas Komisches hat. Doch bei der Rolle von Helen J Shen, die Andys ambitionierte Assistentin spielt, bedienen sich die Stereotype rassistischer Klischees, nicht zuletzt bei der Namensgebung der Figur, was zurecht in der asiatischen Community für Empörung gesorgt hat.

11. Donatella Versace, Heidi Klum, Ashley Graham, Lady Gaga, Brunello Cuccinelli und viele mehr – derart viele Stars haben im Film einen Cameo-Auftritt, dass man beim Abspann hundertprozentig Namen liest, die man verpasst hat. Statt dem altbekannten Spieler:innen-Saufen beim Fußball würde sich hier ein Promi-Äquivalent anbieten.

12. DER Andy-Sachs-Pullover macht ein Leinwand-Comeback! Es sei hiermit der Sommertrend “azurblauer Zopfstrick” hervorgesagt.