Mit den spürbar länger werdenden Tagen im zeitigen Frühjahr erwacht die Pflanzenwelt aus ihrer Winterruhe. Das ist der ideale Startschuss für Hobbygärtner, sich sowohl der Pflege der Zimmerpflanzen zu widmen als auch den Außenbereich mit widerstandsfähigen Arten zu planen. Denn während drinnen frische Erde und ein größerer Topf Wunder wirken, rückt draußen das Thema Trockenheitsverträglichkeit zunehmend in den Fokus.
Bestandsaufnahme auf der Fensterbank
Wer seine grünen Mitbewohner jetzt genau betrachtet, findet oft ein trauriges Bild vor: Die Erde ist hart wie Beton, das Wachstum wirkt kümmerlich und im Topf scheint kaum noch Substrat, sondern nur noch ein dichtes Wurzelgeflecht vorhanden zu sein. Gerade jüngere Pflanzen, die naturgemäß schneller wachsen als ihre älteren Verwandten, benötigen jetzt dringend Aufmerksamkeit. Ein Blick auf die Abzugslöcher liefert oft den ersten Hinweis auf Platzmangel, wenn die Wurzeln bereits herauswachsen.
Um ganz sicherzugehen, lohnt es sich, die Pflanze vorsichtig aus dem Gefäß zu heben. Haben die Wurzeln die Erde komplett durchdrungen? Zeigen sich weiße Ablagerungen am Tongefäß oder eine verkrustete Erdoberfläche? Dies deutet oft auf zu hartes Gießwasser oder eine Überdüngung hin – höchste Zeit also für einen Umzug in ein frisches Heim.
Der richtige Schnitt und Schädlingskontrolle
Bevor es jedoch ans Umtopfen geht, steht die Kosmetik an. Viele Pflanzen sind im Winter auf der Suche nach Licht „vergeilt“, also dünn und steil in eine Richtung gewachsen. Hier darf man beherzt zur scharfen Gartenschere greifen. Ein gezielter Rückschnitt gleicht nicht nur die Form aus, sondern regt auch den Neuaustrieb an. Dabei gilt die Faustregel: Lieber etwas mehr wegnehmen als zu wenig, besonders wenn ein buschiger Wuchs gewünscht ist.
Gleichzeitig ist dies der Moment für eine gründliche Inspektion. Schädlinge wie Wollläuse nutzen die trockene Heizungsluft des Winters gerne für einen Angriff. Befallene Blätter sollten entfernt und die Pflanze gründlich abgeduscht werden – sei es im Garten oder in der Badewanne. Wichtig ist, die Blattunterseiten nicht zu vergessen, da sich die Plagegeister dort besonders gerne verstecken.
So gelingt der Neustart im Topf
Der neue Topf sollte im Durchmesser etwa eine Handbreit größer sein als der alte. Ein zu riesiges Gefäß verleitet die Pflanze dazu, ihre gesamte Energie nur in das Wurzelwachstum zu stecken. Lässt sich der alte Topf schwer lösen, hilft oft ein kurzes Tauchbad des Ballens oder, im Härtefall, das Aufschneiden des Plastikcontainers.
Essenziell für die Pflanzengesundheit ist die Vermeidung von Staunässe. Eine große Tonscherbe über dem Abzugsloch und eine Schicht Blähton am Boden verhindern, dass die Wurzeln im Wasser stehen oder Erde herausrieselt. Darauf kommt frisches, luftiges Substrat. Die Pflanze wird mittig platziert, wobei zum oberen Rand etwa zwei Zentimeter Gießrand bleiben sollten. Nach dem Andrücken der Erde ist ein kräftiges Angießen Pflicht, um Hohlräume zu schließen. Wer Platzmangel hat, kann bei dieser Gelegenheit Pflanzen wie Farne oder Maranten durch einfaches Teilen des Wurzelballens verkleinern. Auch Stecklinge von Monstera oder Efeutute lassen sich jetzt hervorragend gewinnen, indem man Triebe mit Luftwurzeln abschneidet und zur Bewurzelung ins Wasser stellt.
Robuste Kandidaten für den Sonnengarten
Doch nicht nur drinnen stehen die Zeichen auf Veränderung. Wer für den Garten oder Balkon Pflanzen sucht, die auch in heißen Sommern bestehen, sollte auf trockenheitsresistente Arten setzen. Ein spannender Kandidat ist der Hanfblättrige Eibisch (Althaea cannabina). Das Malvengewächs besticht durch seine Höhe und kleine, zuckerwatten-rosafarbene Blüten im Sommer. Durch seine halbtransparente Statur wirkt es nie wuchtig und versamt sich an passenden Standorten von selbst.
Bei Gartendesignern hoch im Kurs stehen derzeit die Junkerlilie (Asphodeline liburnica) und die Rose Rosa x odorata ‘Mutabilis’. Letztere überzeugt als pflegeleichter Strauch mit einem natürlichen Wuchs und einem faszinierenden Farbspiel: Die Blüten verfärben sich beim Verblühen von Hellgelb über Apricot bis hin zu Rot. Ein echter Hingucker ist auch der Holunder ‘Milk Chocolate’, der 2025 im Garten von Tom Massey auf der Chelsea Flower Show für Aufsehen sorgte. Sein Laub treibt rötlich-braun aus und dunkelt zu einem tiefen Mahagoni nach, gekrönt von cremeweißen Blütendolden im Spätsommer.
Strukturgeber mit wenig Pflegeaufwand
Für das mediterrane Flair eignet sich der Strauchige Gamander (Teucrium fruticans). Er verträgt Winterregen ebenso gut wie Sommertrockenheit, solange der Boden durchlässig ist. Sein blau-graues Laub lässt sich zudem hervorragend in Form schneiden.
Wer hingegen immergrüne Alternativen zu Buchsbaum oder Eibe sucht, ist mit der Bergkiefer (Pinus mugo) gut beraten. Sie ist extrem widerstandsfähig und benötigt nach dem Anwachsen fast keine Pflege mehr. Ebenso anspruchslos zeigt sich die Coyote-Weide (Salix exigua). Als eines der wenigen Weidengewächse toleriert sie trockene Böden im Sommer genauso wie Staunässe im Winter und bringt mit ihren silbrigen Blättern eine elegante Leichtigkeit ins Beet.
Abgerundet wird das pflegeleichte Sortiment durch Stauden wie das Zottige Purpurglöckchen (Heuchera villosa ‘Autumn Bride’), das sowohl in der Sonne als auch im Schatten gedeiht und lange blüht. Für farbliche Akzente im Herbst sorgt schließlich das Japan-Goldbandgras (Hakonachloa macra), dessen frisches Grün sich zum Saisonende in warme Orange- und Goldtöne verwandelt.