Es ist grau, es ist nasskalt, und seit dem Wochenende, als die Zeitumstellung stattfand, haben wir am Abend (noch) eine Stunde weniger Tageslicht. Gerade jetzt, wo Ausgehen oder Reisen kaum Möglichkeiten bieten, gibt es kaum etwas Naheliegenderes, als sich mit voller Hingabe dem eigenen Kulturherbst zu widmen.

Eine Veranstaltung, die sich hervorragend dafür eignet, ist das Kino der Kunst, das vom 27. Oktober bis 1. November in Münchener Kinos und Museen sowie digital stattfindet. Zum vierten Mal setzt diese einzigartige Kombination aus Filmfestival und Kunstausstellung den Fokus auf das spannende Verhältnis zwischen Bildender Kunst und Film.

Das 4. Kino der Kunst in München vom 27. Oktober bis 1. November 2020

Unter dem Motto “Forbidden Beauty – Verbotene Schönheit” präsentiert der internationale Wettbewerb in diesem Jahr rund 45 Filme von KünstlerInnen aus nahezu 30 Ländern. Diese Werke zeigen eindrucksvoll, dass es möglich ist, eine ästhetische Bildsprache zu verwenden, ohne in Kitsch zu verfallen. Auch in der vermeintlichen “Unterhaltungs-Gattung” Film können ernsthafte und brisante Themen unserer Zeit behandelt werden. Dazu zählen soziale Entwurzelung, Konsumkultur, Umweltzerstörung, Rassismus und Feminismus.

Der/die GewinnerIn des Wettbewerbs wird von einer vierköpfigen Jury ausgewählt. Diese setzt sich zusammen aus der römischen Produzentin Beatrice Bulgari, dem Künstlerischen Direktor des Haus der Kunst Andrea Lissoni, der Pariser Künstlerin Camille Henrot und dem Jurypräsidenten, dem oscarnominierten Regisseur Luca Guadagnino, bekannt für seinen Film “Call Me by Your Name”.

Kino der Kunst 2020: Highlights im Filmprogramm

Die meisten der gezeigten Filme beim Kino der Kunst 2020 thematisieren die Herausforderungen unserer Zeit. Ein bemerkenswertes Beispiel ist “Ballerinas and Police”, in dem Halil Altindere Tänzerinnen gegen schwerbewaffnete Polizisten antreten lässt. Clément Cogitore, der Gewinner der letzten Ausgabe von Kino der Kunst 2017, präsentiert im preisgekrönten „The Evil Eye“ eine Sammlung von Internet-Bildern, die globale Schönheits-Klischees thematisieren. In “Lessons of the Hour”, einem Kostümfilm, der auf einem Roman aus der Zeit der Sklaverei basiert, beschäftigt sich Isaac Julien mit den Themen Rassismus und Diskriminierung.

Zusätzlich gibt es Filme, die sich mit zeitlosen Themen auseinandersetzen, wie der Natur, beispielsweise Matthew Barneys „Redoubt“ oder Clare Langans „Heart of a Tree“. Auch die Anmut der Bewegung wird eindrucksvoll eingefangen, etwa im oscarnominierten Werk „Prisoners of the Body“ der Wahlmünchnerin Elise Nadal.

Zahlreiche Programmpunkte auch digital erlebbar

Das Programm wird durch spannende Multi-Channel-Installationen und fesselnde Künstlergespräche ergänzt. Bei den drei Artists Talks im Museum Brandhorst und der Pinakothek der Moderne werden die renommierten Künstler Luca Guadagnino, Omer Fast und Camille Henrot zu Wort kommen. Aufgrund der strengen Hygienevorschriften sind die Tickets begrenzt. Doch keine Sorge! Selbst wenn Sie kein Ticket mehr ergattern konnten oder nicht in München sind, haben Sie die Möglichkeit, die Gespräche im Live-Stream auf dem YouTube-Kanal des Museum Brandhorst zu verfolgen. Zudem können Sie viele weitere KünstlerInnen in vorproduzierten Porträts auf der Website des Kino der Kunst kennenlernen.

Am Freitag, den 30. Oktober 2020, findet ein spannendes Online-Symposium statt. In vier Diskussionsrunden werden VertreterInnen der Branche über die „Kunst des Bewegtbildes in digitalen Zeiten“ diskutieren, darunter auch der renommierte Kurator Hans-Ulrich Obrist. Die Sessions des Symposiums werden live gestreamt und sind anschließend auf kinoderkunst.de/online-events verfügbar. Das klingt für uns nach einem gelungenen Auftakt in den Kunst-, Kino- und Kulturherbst!