Dolly Parton on “Rockstar
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Dolly Parton enthüllt ihr neues Album „Rockstar“ und spricht über ihren unerschütterlichen Wunsch, im Rampenlicht zu stehen

Morgens gegen 9:30 Uhr in Nashville. Dolly Parton sitzt beim Videocall in einem Studio, hinter ihr leuchtet ein Stern. Sie trägt eine rosa Lederjacke, ihre blonde Perücke ist toupiert – im typischen Dolly-Stil. Mit der charismatischen Musikerin ins Gespräch zu kommen, fällt wohl niemandem schwer. Mit 77 steckt sie voller Tatendrang: Gerade arbeitet sie an einem Musical über ihr Leben, das voraussichtlich Anfang 2025 am Broadway starten soll. Parallel dazu hat sie ihren Bildband „Behind the Seams: My Life in Rhinestones“ verfasst, ihr neues Album mit wenigen Eigenkompositionen, zahlreichen Rockklassikern und Gastauftritten von unter anderem Debbie Harry oder Kid Rock erscheint diesen Monat.

Dolly Parton im VOGUE-Interview über Träume, Strass, Elvis und das Spielen nach eigenen Regeln

Dolly Parton: In diesem Stück geht es ja darum, gegen alle Widerstände ein Rockstar zu werden. Dieses konkrete Ziel verfolgte ich nicht unbedingt. Ich war jemand, die sich ganz ihrer Musik hingegeben hat. Als Mädchen hatte ich den Plan, Sängerin zu werden, meine eigenen Lieder zu schreiben und nach Nashville zu gehen. Schließlich habe ich Jahre später doch ein Rockalbum aufgenommen. Um dieses Projekt zu starten, brauchte ich einen Song, der nah an mir dran sein sollte. “Rockstar” handelt von Selbstvertrauen. Ich glaube, wenn man an seinen Träumen festhält, können sie sich tatsächlich erfüllen. Vielleicht wird man irgendwann wirklich ein Star oder steht zumindest auf einer Bühne. Wobei die Bühne auch einfach eine Metapher für jenes Gebiet sein könnte, auf dem man gern Erfolg haben würde.

Ich glaube, wenn man an seinen Träumen festhält, können Sie sich tatsächlich erfüllen

Sie gelten als Queen of Country. Was für ein Verhältnis haben Sie zur Rockmusik?

Ich habe sie immer geliebt. Ob Elvis Presley, Jerry Lee Lewis oder Little Richard: All diese großartigen Künstler haben Farbe in meine Jugend gebracht. Ich war jedoch ein Mädchen vom Land, das mit Bluegrass und Gospel aufgewachsen ist. Country konnte ich am besten singen. Allerdings ist mein Mann, mit dem ich seit 59 Jahren zusammen bin, ein großer Rock-’n’-Roll-Fan. Durch ihn habe ich diese Musik oft gehört. Bis ich beschlossen habe: Jetzt ist exakt der richtige Zeitpunkt für ein Rockalbum.

Mode-Tipps von Miley Cyrus und Dolly Partons Gedanken zum „Wrecking Ball“-Musikvideo

In der Tat habe ich mir von Miley ein paar Tipps geben lassen. Sie hat mir zum Beispiel geraten, dass meine Kleidung den Rock-Spirit spiegeln sollte. Weil Miley bei meiner Rockplatte an meiner Seite stehen wollte, habe ich ihr Lied „Wrecking Ball“ für uns ausgesucht. Wir haben es als Duett aufgenommen. Ich finde diesen Song großartig und halte Miley für das Rock-Chick unserer Zeit.

Was haben Sie gedacht, als Sie sich zum ersten Mal das Video “Wrecking Ball” angeschaut haben?

Ich stand kurz vor einem Herzanfall, als ich meine Patentochter nackt auf der Abrissbirne sah. Mein erster Gedanke: Sie sollte sich etwas anziehen! Auf der anderen Seite war mir bewusst: Miley weiß genau, was sie tut. Mit ihrem Video hat sie ein Statement abgegeben. Sie wollte nicht länger das kleine Mädchen Hannah Montana sein, sondern endlich als Miley Cyrus wahrgenommen werden – eine erwachsene Frau. Ich habe Miley stets dafür bewundert, dass sie die Courage hat, die Dinge auf ihre eigene Art anzugehen. Schließlich habe auch ich immer nach meinen Regeln gespielt.

Ich stand kurz vor einem Herzanfall, als ich meine Patentochter nackt auf der Abrissbirne sah. Mein erster Gedanke: Sie sollte sich etwas anziehen!

Dolly Parton

Ich habe nie versucht, irgendwelchen Trends zu folgen und besonders modisch zu sein. In meinem Heimatort gab es eine Frau, die als Tramp galt. Ihre Haare waren wasserstoffblond, ihre Nägel rot lackiert. Sie trug High Heels, einen kurzen Rock und ein tief dekolletiertes Oberteil. Für mich war sie schön. Ebenso haben mich Hollywoodstars wie Mae West beeindruckt. So entstand mein “Country-Girl mit Glamour”-Look. Schon früh habe ich mich für Strass und alles, was glitzert, begeistert. Ich wollte eben selber funkeln und strahlen.

War es Ihnen wichtig, aufzufallen?

Ich denke, wir möchten alle von unseren Mitmenschen gesehen werden. Jede:r will einzigartig sein und ist es auch. Weil ich aus einer großen Familie mit zwölf Kindern stamme, habe ich als Mädchen nicht so viel Aufmerksamkeit gekriegt. Ich wusste zwar, dass unsere Eltern uns alle gleichermaßen lieben, doch ich sehnte mich danach, herauszustechen. Umso mehr habe ich das Interesse genossen, das ich bekam, als ich meine eigenen Songs zu schreiben und zu singen begann. Ich brauchte diese Zuwendung wohl.

Weil ich aus einer großen Familie mit zwölf Kindern stamme, habe ich als Mädchen nicht so viel Aufmerksamkeit gekriegt. Ich wusste zwar, dass unsere Eltern uns alle gleichermaßen lieben, doch ich sehnte mich danach, herauszustechen.

Inzwischen sind Sie so populär, dass Sie auf Ihrem neuen Album Gäst:innen von Stevie Nicks über Debbie Harry bis zu Sting zusammenbringen konnten. Wie war es, mit den Beatles „Let It Be“ aufzunehmen?

Einer der Höhepunkte meines Lebens ist es, dass ich mit Paul McCartney, der übrigens auch Klavier gespielt hat, singen durfte. Und Ringo Starr hat Schlagzeug gespielt. Bis heute erinnere ich mich ganz genau an den Moment, als ich zum ersten Mal „I Want To Hold Your Hand“ gehört habe. Nichts hat mich so sehr bewegt wie der Sound der Beatles.

Nicht einmal Elvis Presley?

Als er sich als Musiker etablierte, war ich ungefähr zehn Jahre alt. Gewiss habe ich für Elvis geschwärmt – wie alle. Er war so wild, konnte toll singen und sah unverschämt gut aus. Leider bin ich ihm nie begegnet, dabei wollte er eigentlich meinen Song „I Will Always Love You“ einspielen. Es war geplant, dass ich mit ihm im Studio sein sollte. Bloß rief einen Abend zuvor sein Management an. Man teilte mir mit, Elvis würde keine Songs aufnehmen, an denen er nicht die Rechte hätte. Ich weigerte mich aber konsequent, die Rechte abzutreten. Also hat er mein Lied nicht gecovert. Das hat mich sogar noch Jahre nach seinem Tod geärgert. Deshalb habe ich das Stück „I Dreamed About Elvis“ geschrieben. In meinem Traum ist Elvis zu mir gekommen, wir durchlebten die Situation erneut und haben zusammen „I Will Always Love You“ gesungen.