2026, wir lieben dich schon jetzt! Während etablierte Superacts wie Charli xcx, Melanie C oder Nina Hagen bereits mit neuen Studioalben in den Startlöchern stehen, werfen wir schon mal einen Blick auf die nächste Musikerinnengeneration, die freshe Sounds mit Haltung und Zeitgeist verbindet. Wie immer haben wir die wichtigsten Tracks am Ende in einer umfangreichen Spotify-Playlist zusammengestellt – zum Entdecken, Abspeichern und Immer-wieder-Hören.

Das sind die 6 spannendsten Musikerinnen aus Deutschland und Österreich, die 2026 den Ton angeben

“Mit meiner Musik kreiere ich einen Raum, in dem es keine toxischen Körperbilder oder andere Arten von Shaming oder Diskriminierung gibt”, sagt Jinka.

Lexi Thanee

Obwohl sie erst zwei Tracks veröffentlicht hat, zählt Jinka schon jetzt zu den aufregendsten Gesichtern des neuen Jahres. Nachdem sie bisher als Producerin für Künstlerinnen wie Yaenniver, 6euroneunzig oder Bambie Thug tätig war, bewegt sich die Berlinerin mit ihrem eigenen Sound irgendwo zwischen Club und Pop, verbunden mit einer edgy Glam-Ästhetik und jeder Menge female energy. Für 2026 stehen bei der Sängerin und Songwriterin weitere Singles auf dem Plan.

Jinka: Die Redewendung “thot daughter“ ist vergleichbar mit der Bezeichnung als Slut und hat je nach Kontext etwas Beleidigendes oder etwas Selbstermächtigendes. Ich habe diesen amerikanischen Slang-Ausdruck eingedeutscht. Der Track wurde von einem TikTok inspiriert, in dem Passant:innen auf der Straße die Frage gestellt wurde, was ihnen lieber wäre: ”gay son or thot daughter?“ Dieses Voice-Sample findet sich auch am Anfang des Songs. An der Reaktion der Leute ließ sich gut ablesen, wie gespalten die Gesellschaft identitätspolitisch ist.

Eine Spaltung, der Sie Selbstbestimmung und Empowerment entgegensetzen …

Ich tue mich schwer mit dem Wort Empowerment. In meinen Augen wird dieser Begriff oft als Sticker auf die Stirn geklebt, um jegliche Form der Selbstsexualisierung zu legitimieren. Ich mag es, kulturelle Codes zu überzeichnen, bis sie plakativ sichtbar werden. Für mich ist es eine völlig normale Sache, über Themen wie Sex und Fashion zu rappen. Meine Lyrics spiegeln meine Normalität wider, nur unter dem Vergrößerungsglas. Ich verarbeite persönliche Erlebnisse und Fantasien, die ich mit einem gesellschaftskritischen Kommentar verbinde.

Inwieweit spielt auch die Lust an der Provokation eine Rolle?

Provokation ist nicht der Ausgangspunkt meiner Kunst. Weder was meine Texte noch was meine Outfits angeht, die ich selbst entwerfe. Ich folge einer ästhetischen Logik. Ein Look setzt sich aus der Kleidung, aus Haaren und Make-up, aber auch aus dem Körper und der Ausstrahlung einer Person zusammen. Wenn ich bei meinen Videos das Gefühl habe, es passt am besten zum Look, kein Top unter der Jacke zu tragen oder meinen Po zu zeigen, dann ist das eine rein ästhetische Entscheidung. Ähnlich verhält es sich mit den Lyrics. Ich nutze das Stilmittel der Überzeichnung, weil es nicht moralisierend wirkt, sondern eher entlarvend.

Außerdem sind die Themen Sisterhood und Community sehr wichtig für Sie …

Es gibt in meinem Leben vier oder fünf Situationen, in denen ich mich komplett wohlfühle und ganz bei mir bin: in den Bergen beim Wandern, wenn ich produziere, wenn ich kreativ bin und mir neue Outfits überlege und beim Sex. Das sind meine persönlichen Safe Spaces, in denen ich mich geborgen fühle und nicht zwanghaft mit anderen vergleiche. Gerade in den Socials wird einem ständig das Gefühl gegeben, nicht genug zu sein. Mit meiner Musik kreiere ich einen Raum, in dem es keine toxischen Körperbilder oder andere Arten von Shaming oder Diskriminierung gibt. Meine Hoffnung ist, mit meinen Tracks auch eine Art Zufluchtsort für meine Fans zu erschaffen.

“ In meinen Texten verarbeite ich Dinge, die Menschen mit Anfang 20 umtreiben. In einem Moment ist man selbstbewusst, im nächsten fragt man sich, wer man überhaupt ist und was die eigenen Ziele sind“ – Marnele.

Daniel Nguyen

Mit ihrem Kontrast aus einer introvertierten Verträumtheit und einer fast konfrontativen Offenheit zählt Marnele zu den aufregendsten neuen Stimmen im Deutschrap. Zu schweren Beats und atmosphärischen Hooks berichtet die Bochumerin auf ihrer aktuellen EP „Steppenwolf“ aus einem zerrissenen Gefühlsleben zwischen Weltschmerz und Kampfgeist, Melancholie und bissiger Gesellschaftskritik. Im Februar ist sie auf ihrer ersten Headliner-Tournee in Hamburg, Berlin, Köln und Bochum zu sehen.

Marnele: Über das Gedichteschreiben. Gedichte und andere Texte waren schon immer ein Weg, um mich auszudrücken. Mich faszinieren Wortspiele und Buchtitel, die die Fantasie anregen oder irgendetwas in mir auslösen. Irgendwann habe ich in der Badewanne ein Heartbreak-Gedicht geschrieben und es über einem einfachen Beat gerappt. Die Aufnahme habe ich einem Produzenten geschickt, der mich direkt zu einer gemeinsamen Songwriting-Session einlud. Kurz darauf habe ich meine ersten beiden Tracks “Weinbar“ und ”Rauch mich“ releast.

Wie schreiben Sie?

Ich bin meistens nachts kreativ, wenn ich richtig in meinen Gedanken versinken kann. Diese einsamen Stunden sind eine sehr spannende und fruchtbare Zeit. Oft habe ich beim Schreiben Bilder im Kopf, die ebenfalls mit der Nacht oder der Dunkelheit verbunden sind. Entweder schreibe ich auf einer sehr alten und leider auch sehr lauten Schreibmaschine oder ganz klassisch mit Papier und Stift. Ich habe das Gefühl, je nach Medium unterschiedlich zu komponieren.

Ihre neue EP trägt den Titel „Steppenwolf“ – eigentlich der Inbegriff der Einsamkeit und der Suche nach Antworten …

Ursprünglich hat mich dieses Wort gecatcht. Für mich symbolisiert der Begriff „Steppenwolf“ eine Form der Zerrissenheit. Einerseits haben meine Songs etwas Introspektives, gleichzeitig kann ich auch sehr outgoing und direkt sein. In meinen Texten verarbeite ich Dinge, die Menschen mit Anfang 20 umtreiben. In einem Moment ist man selbstbewusst und hat das Gefühl, alles richtig zu machen. Im nächsten Augenblick fragt man sich, wer man überhaupt ist und was die eigenen Ziele sind. Anfangs fiel es mir gar nicht so leicht, diese nach innen gerichteten und teilweise sehr intimen Texte zu veröffentlichen. Zu hören, dass sich auch andere Leute mit meinen Songs identifizieren, ist etwas sehr Beruhigendes und Schönes.

Das „Steppenwolf“-Artwork zeigt Sie auf einem weißen Schimmel. Ein märchenhaftes Motiv!

Viele meiner Songs haben etwas Märchenhaftes, obwohl sie in der Großstadt spielen. Mir sind meine Heimatstadt Bochum und das Ruhrgebiet sehr wichtig. Ich bin hier aufgewachsen und fühle mich connectet mit meinem Freund:innenkreis. In den Texten versuche ich, mir meine eigene kleine Märchenwelt zu erschaffen, die etwas Mystisches und manchmal sogar etwas Dämonisches hat. Das spiegelt sich auch in der Form meiner Lyrics wider. In Tracks wie „Alle gleich“ oder „Flügel“ male ich eher Bilder, statt eine konkrete Story zu erzählen.

Suna.Films

In den vergangenen Jahren hat sich die aus dem Tiroler Ötztal stammende Nenda Neururer vor allem als Schauspielerin und Filmemacherin einen Namen gemacht. Nachdem sie in verschiedenen Theaterrollen im Londoner Westend und in britischen TV-Serien zu sehen war, konzentriert sich die Österreicherin nun wieder auf die Musik. Auf ihrem kürzlich erschienenen Debütalbum „KRRRA“ verarbeitet sie Themen wie Alltagsrassismus, nationalistische Tendenzen und den Kampf gegen patriarchalische Strukturen, aber auch Liebe, Trauer und Abschied.

Nenda: Ich liebe es, Geschichten zu erzählen; ob darstellerisch oder musikalisch. Mir gefällt besonders der spielerische Aspekt, in eine Rolle zu schlüpfen. Auch auf dem Album verkörpere ich verschiedene Charaktere. Alle Songs sind vergleichbar mit Tagebucheinträgen, durch die ich einerseits den Verlust eines geliebten Menschen verarbeite und mich andererseits mit gesellschaftlichen Themen und Problemen auseinandersetze.

Gesellschaftskritik, die Sie in einem Mix aus Rap, Indie Rock, Pop, Jazz und Big-Band-Einflüssen verarbeiten. Wer hat Sie stilistisch beeinflusst?

Als Teenager habe ich viel Punk und ein bisschen Metal gehört, danach Rap und verschiedene Singer/ Songwriter:innen. Während meiner Zeit in London kamen Künstlerinnen wie Cardi B, Doja Cat und Little Simz dazu, die mich ebenfalls sehr inspiriert haben. Ein großer Einfluss war auch Rihanna. In Tirol aufzuwachsen, war nicht immer ganz einfach. Es gab dort keine anderen Kinder, die so aussahen wie ich. Irgendwann habe ich auf dem Cover eines Magazins eine Frau gesehen, die wenigstens ein bisschen Ähnlichkeit mit mir hatte – Rihanna! Ein echter Wow-Moment, der sehr wichtig für meine Selbstfindung war.

In den Songs switchen Sie gerne vom Englischen in Tiroler Mundart. Eine Form, sich mit Ihrer Kindheit zwischen verschiedenen Kulturen auseinanderzusetzen?

Ich bin mit Tirolerisch aufgewachsen; nach meinem Umzug ins UK wurde Englisch zu meiner Hauptsprache. Für Probleme wie Rassismus, Misogynie oder Homophobie hat es damals in Österreich überhaupt noch kein Vokabular gegeben. Deshalb habe ich begonnen, diese Themen auf Englisch zu verarbeiten. Außerdem haben mich starke Persönlichkeiten wie die britische Dichterin und Drehbuchautorin Michaela Coel durch ihr Writing dazu inspiriert, mit meinen eigenen Erfahrungen in meiner Kunst ebenso ehrlich umzugehen. Wenn ich dagegen aus meiner Kindheit erzähle, kommt immer wieder das Tirolerische durch. Vielleicht auch, weil mir wegen meiner Hautfarbe nie geglaubt wurde, dass ich Deutsch sprechen kann.

Der Albumtitel „KRRRA“ bezieht sich auf die gehörnte Schreckgestalt Krampus, die in manchen Gegenden während der Adventszeit um die Häuser zieht, um böse Kinder zu bestrafen …

Das österreichische Brauchtum ist geprägt von toxischer Männlichkeit. Der Krampus ist für mich eine Metapher für patriarchalische Strukturen und Exklusion, von der ich als Frau und insbesondere als Person of Color betroffen bin. In dem Song geht es darum, die Deutungshoheit über diese Figur neu zu besetzen und sich die Macht zurückzuerobern. Der Track ist allen FLINTA*-Personen, allen Menschen of Color und allen Angehörigen anderer ausgegrenzter Gruppen gewidmet und soll Mut machen, mehr öffentlichen Raum einzunehmen.

Sven Lerch

Ihr erster Song war eigentlich nur als spaßiges TikTok-Experiment gedacht. Seitdem Vickys im November 2024 veröffentlichte Debütsingle über Nacht durch die Decke ging, zählt die Wienerin zur Spitze einer neuen Generation feministischer, lauter, frecher und selbstbewusster Rap-Künstlerinnen, die in ihren Lyrics kein Blatt vor den Mund nehmen, sondern ihre Selbstbestimmung, Sisterhood und Sexpositivity feiern. Nachdem sie im vergangenen Jahr einige der wichtigsten Sommerfestivals aufgemischt hat, schickt Vicky im März ihr neues Mixtape „Swaglord“ hinterher.

Vicky: Total. Meine Musik ist zu einhundert Prozent Selbstverwirklichung. Ich denke beim Songwriting nicht darüber nach, ob ich mit den Lyrics jemanden abfucke oder vor den Kopf stoße, sondern spreche aus, was ich gerade fühle. Ich kann nachvollziehen, dass meine Gedanken vielleicht zu direkt für manche Menschen sind; als Provokation ist meine Musik aber absolut nicht zu verstehen. Ich drücke in meinen Texten aus, worauf ich Lust habe. Wenn sich jemand dadurch gestört fühlt, ist das ein Du-Problem.

Sie bezeichnen sich als Fotzenrap-Künstlerin. Ein Genre, das einen starken gesellschaftspolitischen Anspruch hat.

Auf jeden Fall! Und ich habe das Gefühl, dass diese ganze Fotzenrap-Bubble mit Künstlerinnen wie Ikkimel, SXTN, Mariybu und vielen anderen gerade die Musikwelt verändert. Sie alle tragen dazu bei, dass starke, selbstbewusste Frauen in der Musik gesehen, gehört und vor allem anerkannt werden. Außerdem ist es Zeit, mit dieser Doppelmoral zwischen weiblichen und männlichen Artists aufzuräumen. Wenn ein Mann in seinen Lyrics sagt „Ich rotz‘ dir auf die Ti**en“, singen es alle mit. Wenn ich aber „Ich spuck‘ dir auf den Schw**z“ rappe, wird es als anstößig wahrgenommen. Ich habe das Gefühl, wir Frauen haben endlich unseren ganz persönlichen Girly-Moment. Immer mehr Menschen verstehen, was wir meinen, und feiern das mit uns.

Der Videoclip zur aktuellen Single „Hose runter“ spielt in einer der letzten Männerdomänen: der Kneipe. Feministisches Empowerment trifft auf weibliche Ironie?

Manche Künstlerinnen ziehen eine radikale Ausdrucksweise vor. Ich mag es, Dinge auch mal ins Lächerliche zu ziehen und mit Humor zu nehmen. Oft hören einem die Leute eher zu, wenn man seine Botschaft mit einem Augenzwinkern verbindet. Wir bedienen uns in dem Video ganz bewusst am Klischee vom alten weißen Mann am Stammtisch. Aber es gibt auch einen autobiografischen Hintergrund. Ich bin eigentlich gelernte Köchin und hatte früher den großen Traum, Gastronomin zu werden. In meinen Texten finden sich immer wieder Anspielungen darauf, die man natürlich auch als Kritik am klassischen Frauenbild interpretieren könnte. Und nicht zuletzt gehe ich auch selbst gern in Kneipen.

Im März erscheint Ihr neues Mixtape mit dem unbescheidenen Titel „Swaglord“. Was wollen Sie schon verraten?

Nach dem Release meiner ersten Single „T-Shirt hoch Titten raus“ wurde ich schnell in eine bestimmte Schublade gesteckt. Im letzten halben Jahr ist so viel in meinem Leben passiert. Obwohl ich es wichtig finde, sich selbst zu zelebrieren, möchte ich auch andere Seiten von mir zeigen. Ich mag es, mich auszuprobieren und mit verschiedenen Styles zu experimentieren. Das kommende Mixtape bedeutet für mich das nächste Level in meinem Vicky-Game. 2026 wird nicht nur mein „Swaglord“-Summer, sondern mein persönliches „Swaglord“-Jahr!

Fioni Versace

Anaïs liebt das Spiel mit Widersprüchen und Gegensätzen. In ihren Songs verbindet die in Berlin beheimatete Sängerin und Songwriterin einen unbeschwerten Pop-Optimismus mit einer melancholischen Indie-Rock-Tiefgründigkeit und einem zurückgelehnten Hip-Hop-Swag – ein Mix, mit dem sie ihre Fans schon im Vorprogramm von Nina Chuba oder Cro sowie zwei Headliner-Tourneen begeistert hat. Mitte Januar erscheint ihre nächste EP „Wünsch dir was“, auf der Anaïs schon mal die ersten Sommer-Vibes des neuen Jahres vorausschickt.

Anaïs: In schönen Augenblicken genieße ich den Moment und bin sehr präsent. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass er auch irgendwann enden wird. Gerade diese Vergänglichkeit macht das Leben doch so wertvoll. In vielen Songs bewege ich mich zwischen einer gewissen Tristesse und einer fast schon ironischen Alles-ist-möglich-Leichtigkeit. So wie im Titelsong „Wünsch dir was“, in dem es auch um Hedonismus geht und darum, die guten Zeiten maximal auszukosten.

Eine Art Schönwetter-Tristesse, die Sie mit einem leichten French Touch verbinden.

Vielleicht könnte man es tatsächlich als Schönwetter-Tristesse bezeichnen. Wärme und Sonne sind definitiv lebenswichtig für mich. Meine Mutter kommt aus Belgien; daher bin ich sehr frankophil aufgewachsen und liebe Frankreich und die ganze französische Lebensart. Ich habe auch über lange Phasen in Paris mit verschiedenen Musiker:innen und Produzent:innen gearbeitet. Diese Zeit hat mich enorm geprägt. Aber seitdem ich angefangen habe, von englischen Lyrics auf deutsche zu switchen, bin ich leider immer seltener dort.

Mit der aktuellen Single „Juli“ haben Sie im Dezember eine echte Sommer-Hymne aus Ihrer kommenden EP vorausgeschickt. Keine Lust auf die kalte Jahreszeit?

Ich hasse den Winter, besonders in Berlin. Es ist kalt, grau und man fühlt sich in dieser Zeit besonders einsam. Ich habe überhaupt keinen Bock auf die Winter-Version von mir und sehne mich dann immer nach der Côte d’Azur. Mit diesem Track kann man sich wenigstens an schönere Orte träumen, solange das Wetter nicht mitspielt. Die Musik war schon immer meine Therapie, in der ich verarbeite, wie es mir gerade geht. Ich reflektiere gern und hinterfrage mich ständig. Das Songwriting kitzelt unterbewusste Emotionen und Gedanken aus meinem rastlosen Kopf heraus, die mir oftmals in dieser Deutlichkeit nicht so klar sind.

Was steht für 2026 auf Ihrer Bucket List?

Ich habe große Lust auf 2026 und glaube, dass es mein Jahr werden wird. Momentan sind zwei Tourneen und diverse Auftritte auf den kommenden Sommerfestivals geplant. Außerdem habe ich mir vorgenommen, viele neue Songs zu schreiben und idealerweise einen pro Monat zu veröffentlichen. Und ich hoffe, zwischendurch auch noch ein bisschen Zeit zum Verreisen zu finden. Ich liebe Europa. Meine nächsten Ziele sind Fuerteventura, Sizilien, Frankreich und natürlich Belgien, wo ein großer Teil meiner Familie lebt.

“Sobald ich erst mal den Mut gefunden hatte, ins kalte Wasser zu springen, hat es sich gut und richtig angefühlt” – Kauta.

Cosima Wynona

Ehrlich, direkt und ohne Filter – so beschreibt Kauta die Texte auf ihrer kürzlich erschienenen Debüt-EP „Tagebuch“. Eine Echtheit zwischen Verletzlichkeit und Empowerment, die die aus Bonn stammende Sängerin und Songwriterin in einem Sound aus Urban Pop und traditionellen afrikanischen Einflüssen kanalisiert. Momentan begeistert die Tochter marokkanischer Eltern durchschnittlich fast 1,2 Millionen monatliche Spotify-Hörer:innen, ab Ende Januar ist sie zum ersten Mal auf Headlinertour durch deutsche Clubs zu erleben.

Kauta: Schon in meiner Schulband habe ich Klarinette gespielt und unseren Lehrer irgendwann gefragt, ob ich auch mal ans Mikro dürfte. Später habe ich Clips auf TikTok und Instagram gepostet, auf denen ich vor der Kamera selbst geschriebene Texte zu Beats aus dem Netz performe. Mit 19 hatte ich dann meine erste richtige Gesangssession, nach der ich beschloss, mich ernsthaft auf die Musik zu konzentrieren. Also habe ich heimlich mein Studium geschmissen und an der Tankstelle gejobbt, um meinen Traum finanzieren.

Hatten Sie Vorbilder?

Obwohl ich Fan von vielen verschiedenen Acts bin, hatte ich nie wirkliche Vorbilder oder Einflüsse. Mit 15 oder 16 hätte ich mir eine starke Künstlerin gewünscht, zu der ich aufschauen kann. Jemand, die aussieht wie ich, die ehrlich von ihren Struggles und Problemen erzählt und die doch ihren Weg geht. Leider gab es das nicht; deshalb habe ich begonnen, selbst Musik zu machen. Heute bekomme ich viele Nachrichten, in denen ich als Vorbild bezeichnet werde. Das macht mich unfassbar stolz.

Auf Ihrer gerade erschienenen „Tagebuch“-EP erzählen Sie von persönlichen Dingen wie Selbstzweifeln, Enttäuschung oder Identitätssuche. Keine leichte Aufgabe, sich so zu öffnen …

Ich komme aus einfachen Verhältnissen. Meine Familie musste oft ums Überleben kämpfen und war zeitweise nicht sehr weit davon entfernt, obdachlos zu werden. Auch in der Schule wurde ich von vielen gemobbt. Ich habe meine Jugend als eine harte Zeit erlebt, die definitiv Narben hinterlassen hat. Narben, die ich heute mit meiner Musik verarbeite. Die Songs sind wie Selbstgespräche. Man ist zu niemandem so ehrlich wie zu seinem Tagebuch und vertraut ihm Dinge an, die man nicht einmal seiner besten Freundin erzählen würde. Ich habe mich entschlossen, diese Gedanken mit der Welt zu teilen.

Wie fühlt sich das an?

Befreiend. Wenn ich fühle, dann intensiv. Es gibt Phasen, in denen ich extrem traurig bin. Zu anderen Zeiten bin ich übertrieben euphorisch. Es gibt bei mir kein Dazwischen. Bisher hatte ich große Schwierigkeiten, mich zu öffnen. Ich habe bis zum letzten Tag überlegt, ob ich gewisse Songs wie „Hätte hätte“, in dem es um meine Familie geht, tatsächlich veröffentlichen soll. Doch sobald ich erst mal den Mut gefunden hatte, ins kalte Wasser zu springen, hat es sich gut und richtig angefühlt.